



Natur ist gleich Freiheit. So einfach ist die Gleichung, die Lisa Wassmann aufstellt, die aber viel aussagt über ihr Verhältnis zur Gegenwart und ihrer Arbeit als Fotografin.
Ihr künstlerischer Werdegang wurde oftmals als linearer Übergang von der Event- und Clubfotografie zu künstlerisch-inszenierten Arbeiten beschrieben. ,,Das ist so eigentlich ganz falsch”, wehrt Lisa ab, ,,die Arbeiten, die ich jetzt ausstelle, mit denen habe ich auch begonnen, die habe ich schon immer gemacht!”. Auf der einen Seite stand die Clubfotografie, mit der sich Geld verdienen ließ, dessen Charakter ganz eigene Herausforderungen an eine Fotografin stellt die prinzipiell ohne Blitz arbeitet. ,,Es war interessant mit wenig Licht zu arbeiten und mit den gegeben Bedingungen trotzdem Bilder zu machen, die meinem ästhetischen Empfinden entsprechen”. Auf der anderen Seite stehen Lisas private Arbeiten als Künstlerin, mystisch wirkende Zwischenmomente, die nichts von der Hektik der Stadt in sich tragen. ,,Wenn ich frei arbeiten wollte, dann wollte ich immer raus aus der Stadt und rein in die Natur, das war natürlich auch symbolisch für mich, da ich mit diesen Bildern kein Geld verdienen musste”.
Vielleicht ist es dieser Anachronismus, der ihren Bildern einen faszinierenden Moment einhaucht; in einer Zeit, in der es die Städte sind, die dir Freiheit, Selbstentfaltung und Raum preisen. Spielen ihren Bilder hingegen in der Natur, an dem vergessenen Ort, der heute eher mit Provinzialität und Enge als mit Freiheit in Verbindung gebracht wird. Die wirklich interessanten Geschichten tragen sich meistens in den ödesten Gegenden zu und so ist eine ihrer Fotoserien auch zwischen Trailerparks, verlassenen Motels und den unendlichen Weiten der texanischen Wüste entstanden.
So unterschiedlich die Landschaften auch sind, so gibt es doch ein Merkmal, dass sich wie ein roter Faden durch all ihre Arbeiten zieht: Ihre Bilder zeigen selten mehr als eine Person. Die Kraft des Bildes ergibt sich durch das Zusammenspiel, die Spannung zwischen Umgebung und Individuum. Lisa, die nie Models für ihre Bilder verwendet, fotografiert vor allem junge Frauen: ,,Ich finde es interessant Menschen zu fotografieren, die nicht wissen, dass sie schön sind, die eine gewisse Unschuld ausstrahlen.” Darüber hinaus sind es für sie Frauen, die in der heutigen Zeit mehr Stärke ausstrahlen. Ihre Bilder mit nackten Männern kann sie sich kaum vorstellen. ,,Gerade hier in Berlin finde ich kaum interessante Männer, das ist immer derselbe Typ metrosexuell oder durchgefeiert.“
Schönheit ist nicht normierbar und immer subjektiv, diese Überzeugung spiegelt sich in jedem ihrer Bilder wieder. Sei es bei der Auswahl der Personen, der Nähe zum Objekt oder dem Spiel mit Licht und Unschärfe.
Magazine, Blogs oder Portfolios von anderen Fotografen, all das versucht Lisa von sich fern zu halten. Eine Art Selbstschutz vor einer Bildflut, die die eigene Inspiration beeinflussen könnte und aus den einzigartigen Momentaufnahmen Glieder einer Kette des Gewöhnlichen machen würde. Der Einfluss der alten Meister, wie Arnold Böcklin und Leon Frederic auf ihr Werk ist von großer Bedeutung. Surrealität und Romantik vereinen sich zu einem eigenen Stil, der unberührt scheint von der Hektik des Alltags und dabei dennoch unsere Sehnsucht erkennt und stillt:
„ (…) und man in Märchen und Gedichten ?Erkennt die wahren Weltgeschichten, ?Dann fliegt vor Einem geheimen Wort ?Das ganze verkehrte Wesen fort.“
Eintauchen in die Fotografien von Lisa Wassmann kann man noch bis zum 05. September in der West Berlin Gallery, Brunnenstrasse 56.































