Berlin, Texas (2010)

Natur ist gleich Freiheit. So einfach ist die Gleichung, die Lisa Wassmann aufstellt, die aber viel aussagt über ihr Verhältnis zur Gegenwart und ihrer Arbeit als Fotografin.

Ihr künstlerischer Werdegang wurde oftmals als linearer Übergang von der Event- und Clubfotografie zu künstlerisch-inszenierten Arbeiten beschrieben. ,,Das ist so eigentlich ganz falsch”, wehrt Lisa ab, ,,die Arbeiten, die ich jetzt ausstelle, mit denen habe ich auch begonnen, die habe ich schon immer gemacht!”. Auf der einen Seite stand die Clubfotografie, mit der sich Geld verdienen ließ, dessen Charakter ganz eigene Herausforderungen an eine Fotografin stellt die prinzipiell ohne Blitz arbeitet. ,,Es war interessant mit wenig Licht zu arbeiten und mit den gegeben Bedingungen trotzdem Bilder zu machen, die meinem ästhetischen Empfinden entsprechen”. Auf der anderen Seite stehen Lisas private Arbeiten als Künstlerin, mystisch wirkende Zwischenmomente, die nichts von der Hektik der Stadt in sich tragen. ,,Wenn ich frei arbeiten wollte, dann wollte ich immer raus aus der Stadt und rein in die Natur, das war natürlich auch symbolisch für mich, da ich mit diesen Bildern kein Geld verdienen musste”.

Vielleicht ist es dieser Anachronismus, der ihren Bildern einen faszinierenden Moment einhaucht; in einer Zeit, in der es die Städte sind, die dir Freiheit, Selbstentfaltung und Raum preisen. Spielen ihren Bilder hingegen in der Natur, an dem vergessenen Ort, der heute eher mit Provinzialität und Enge als mit Freiheit in Verbindung gebracht wird. Die wirklich interessanten Geschichten tragen sich meistens in den ödesten Gegenden zu und so ist eine ihrer Fotoserien auch zwischen Trailerparks, verlassenen Motels und den unendlichen Weiten der texanischen Wüste entstanden.

So unterschiedlich die Landschaften auch sind, so gibt es doch ein Merkmal, dass sich wie ein roter Faden durch all ihre Arbeiten zieht: Ihre Bilder zeigen selten mehr als eine Person. Die Kraft des Bildes ergibt sich durch das Zusammenspiel, die Spannung zwischen Umgebung und Individuum. Lisa, die nie Models für ihre Bilder verwendet, fotografiert vor allem junge Frauen: ,,Ich finde es interessant Menschen zu fotografieren, die nicht wissen, dass sie schön sind, die eine gewisse Unschuld ausstrahlen.” Darüber hinaus sind es für sie Frauen, die  in der heutigen Zeit mehr Stärke ausstrahlen. Ihre Bilder mit nackten Männern kann sie sich kaum vorstellen. ,,Gerade hier in Berlin finde ich kaum interessante Männer, das ist immer derselbe Typ metrosexuell oder durchgefeiert.“

Schönheit ist nicht normierbar und immer subjektiv, diese Überzeugung spiegelt sich in jedem ihrer Bilder wieder. Sei es bei der Auswahl der Personen, der Nähe zum Objekt oder dem Spiel mit Licht und Unschärfe.

Magazine, Blogs oder Portfolios von anderen Fotografen, all das versucht Lisa von sich fern zu halten. Eine Art Selbstschutz vor einer Bildflut, die die eigene Inspiration beeinflussen könnte und aus den einzigartigen Momentaufnahmen Glieder einer Kette des Gewöhnlichen machen würde. Der Einfluss der alten Meister, wie Arnold Böcklin und Leon Frederic auf ihr Werk ist von großer Bedeutung. Surrealität und Romantik vereinen sich zu einem eigenen Stil, der unberührt scheint von der Hektik des Alltags und dabei dennoch unsere Sehnsucht erkennt und stillt:

„ (…) und man in Märchen und Gedichten ?Erkennt die wahren Weltgeschichten, ?Dann fliegt vor Einem geheimen Wort ?Das ganze verkehrte Wesen fort.“

Eintauchen in die Fotografien von Lisa Wassmann kann man noch bis zum 05. September in der West Berlin Gallery, Brunnenstrasse 56.

www.lisawassmann.com

beautiful rebel

Marcin fotografiert von Marysia Przybysz (AF Photo) und gestylt von Andrzej Sobolewski in Fight Club.

soundtrack >>


Jeremy Jay – Beautiful Rebel

leicht beschwipste loveboat boredom

all pictures by miss katja hentschel
ja, der jugendmedienschutzstaatsvertrag – da bleibt die jugendmedienkompetenzförderung mal lieber weiterhin in einer staubigen schublade. man könnte meinen, mit den auswirkungen des ersten wortungetüms hätte es also zu tun, dass der geneigte leser das just gelaunchte moët & chandon blog erst lesen kann, nach dem er seine volljährigkeit mit einem geburtsdatum gepudert hat. hinter dem vorhang schreibt nun julia von les mads für das edle gesöff über sternchen, böse zungen und anlässe für ein bad im champagner (mit lachsbrötchen). der sommerball im garten des kronprinzenpalais war so ein anlass. wen michalsky und helene hegemann zum tanz baten, fasst julia vielleicht bald für uns in worte. die sommerüberraschung von moet – eine bubble – stellt euch katja von bees and ballons vor.
>> hier geht es entlang zu moët-hollywood.de.
ich verließ den garten ein wenig zu früh, trotz lieblingskleid, dank intervenierender paarprobleme, the end of men, in einer leicht anderen variante als the atlantic das thema ausführt >> what if modern, postindustrial society is simply better suited to women? (a report on the unprecedented role reversal now under way— and its vast cultural consequences).
was sonst passierte: aleks interviewt memory tapes, amy and pink stellt uns die rotschöpfe der blogosphäre vor, beim blank-magazin gibt es eine neue chefdomptöse, mary hat den berlin vintage fashion guide des ersten stil in berlin magazins online gestellt, ein glückliches schnitzel zieht nach berlin, wir empfehlen i-ref, matthias dell widmet sich der eigenartigen verquickung von sport und medizin (ein remix von lauter fragmenten einer deutschen sportmedizinergeschichte), es gibt eine fotoausstellung der “weltmeisterinnen” in berlin, christoph morlinghaus ist ein schmankerl für architecture lovers, und natürlich: kätzchen content.

alison scarpulla








find her here and there.

never tear us apart

Record Club: INXS “Never Tear Us Apart” from Beck Hansen on Vimeo.

wenn jemand zurücktritt, muss ich immer an michael hutchence denken. inxs-lieder sind die wohl hartnäckigsten ohrwürmer, aber auch mit die schönsten. lieber trage ich die 80er und 90er in den ohren, als dass ich leggings trage, denn wie wir wissen: tights are not pants. wie der zufall es wollte entdeckte ich am grauen gestrigen sonntag (dank caroline von triba space) eine stimme, noch schöner als die lockenpracht des inxs-sängers, die ein paar der stücke in neue, zu tränenrührende farbe taucht: st. vincent. die neuinterpretationen entstanden im rahmen des von beck ins leben gerufenen record club.



“record club is an informal meeting of various musicians to record an album in a day. the album chosen to be reinterpreted is used as a framework. nothing is rehearsed or arranged ahead of time. a track is put up here once a week. the songs are rough renditions, often first takes that document what happened over the course of a day as opposed to a polished rendering. there is no intention to ‘add to’ the original work or attempt to recreate the power of the original recording. only to play music and document what happens.”

ergötzt euch, weint ein wenig, und legt es zumindest auf, wenn ihr den rücktritt verkündet. ohne stil is nich.
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