
Archiv für die 'Agitpop' Kategorie
Rocko Schamoni über “Scheiße by Schamoni”:
Ich beschäftige mich als Mensch und Künstler schon seit Jahren intensiv mit dem Thema Scheiße. Nur fehlte mir die zündende Idee diesem faszinierenden Sujet einen wertigen und glamourösen Rahmen zu geben.
Erst die Zusammenarbeit mit dem Goldschmied Jonathan Johnson und der Fotografin Dorle Bahlburg führte zum entscheidenden Schritt in Richtung der Kollektion die wir Ihnen hier anbieten können.
Jetzt in den Zeiten der Krise aus Gold Scheiße zu machen und damit den herkömmlichen Produktionszyklus umzudrehen ist nicht nur ein künstlerisches sondern auch ein politisches Statement. Wir freuen uns im übrigen mit dem gleichen Inhalt schon bald im Bereich der Patisserie und der Welt des Parfüms aufwarten zu dürfen.
Mit vorzüglichem Gruß Rocko Schamoni
Mehr Scheiße auf Scheiße by Schamoni
“still In” präsentiert euch old school club house von new york nach chicago über detroit und new jersey zurück nach europa. liebevoll sortierte garage, deep und disco house scheiben der 80s und 90s werden all night long auf die teller geschmettert.
Eine schönere Radioansage hätte ich auch nicht schreiben könne. Echt, jetzt. Ich. muss. da. hin. Echt, jetzt.
Pandella | Don’t Stop Your Love
Mehr Infos gibt es auf Facebook und auf der Loophole-Homepage
Loophole,
Boddinstr. 60
Berlin-Neukölln
Auch die TV-Branche wird nicht von der disruptiven Kraft des Internets verschont bleiben. Leidtragend könnten in Deutschland vor allem Privatsender sein
Die Musikindustrie gibt sich männlich verschnupft, die Verlage wollen ihren ganz eigenen Kohlepfennig und sich gegen dieses Internet verteidigen, Hollywood schießt nicht erst seit gestern mit Kanonen auf Spatzen: Es besteht kein Zweifel daran, dass das Internet auch für die gesamte TV-Branche eine Disruption darstellen dürfte, die den Markt nachhaltig verändern wird. Und das nicht schmerzfrei.
Zwar bezeichnet z.B. Apple sein Produkt AppleTV immer noch stiefmütterlich als Hobby, doch ist klar, dass das Unternehmen aus Palo Alto seiner Spürnase treu bleibt und nach unter anderem dem iPod (der Wunsch Musikindustrie, Digitalität zwecks Monetarisierung an ein Medium, die CD, zu knüpfen), dem iPhone (der Unwille der Handy-Hersteller sich mit den technischen Möglichkeiten des neuen Jahrtausends zu befassen), iMessage (die Preishoheit der Telefon-Provider über das Versenden von Nachrichten) den nächsten Marktfehler (die Monopolstellung der Sender, deren antiquiert anmutende Begrenzung auf 24 Stunden Sendezeit und deren Unwillen, Streaming-Inhalte auf den Big Screen, den Fernseher, zu bringen) im Auge hat, den es zu seinen Gunsten ausschlachten will. So hat auch Google (-TV) bereits verstanden, wohin der Hase läuft – genau wie einige TV-Produktionsfirmen und Sender, die ihr Angebot zaghaft selbst oder über Plattformen wie Hulu vertreiben.
Es geht darum, das Fernsehen von seiner Linearität zu befreien und das Medium, das nicht mehr nur an ein Gerät gebunden sein wird – Fernseher werden in Zukunft bloß noch große Bildschirme sein – mit den Möglichkeiten des Netzes anzureichern. Und natürlich gleichzeitig einen proprietären, kapitalisierbaren Markt (ähnlich dem der verschiedenen App Stores) zu schaffen, auf dem eben gerade nicht die alten Player das Sagen haben und der Content relativ barrierefrei zum Kunden gelangen kann.
Teile davon sind bereits jetzt verwirklicht. Es gibt GoogleTV, es gibt AppleTV, es gibt Endgeräte, die an die sich verändernden Bedürfnisse der Endverbraucher angepasst sind, es gibt Mediatheken – und es gibt jede Menge Pläne, die darüber hinaus gehen. Aber es gibt ebenfalls noch das gute alte Fernsehen. Diese zwei Welten werden eine Weile nebeneinander existieren können, bis die alte langsam in der neuen aufgeht. Die Frage, die sich neben der nach dem Zeitrahmen vor allem aufdrängt, ist, wer bei diesem Spiel am meisten zu verlieren hat, respektive verlieren wird.
Es dürften in Deutschland vor allem die privaten Sender sein, die aufgrund der im Vergleich zum englischsprachigen Raum geringeren Marktgröße häufiger als Mittelsmänner (Lizenznehmer) zwischen Produzent (z.B. einer Serie) und Endverbraucher denn als selbständige Produzenten qualitativ hochwertiger Formate auftreten. Das Wesen der “Internet-Revolution” ist aber gerade eben, dass die Strecke zwischen Produzent und Endverbraucher immer kürzer wird, die Grenzen teilweise verschwimmen (Blogger, Video-Podcaster, etc pp). Wenn der Vertrieb sich einen neuen Weg sucht, bleiben die alten Ladenzeilen nicht selten auf der Strecke – im wahrsten Sinne des Wortes.
Hier liegt die Herausforderung für deutsche Privatsender. Welche Rolle werden sie spielen, wenn der Konsument langsam vollständig von der absoluten Gleichzeitigkeit und dem Diktat der 24 Stunden entwöhnt ist, Quoten schwinden, Werbepreise fallen und der Konkurrenzkampf mit Billig- und (legalen und illegalen) Umsonstanbieter in die heiße Phase geht, wenn Qualität im Direktvertrieb und an anderer Stelle zu bekommen ist, wenn die Öffentlich-rechtlichen sich weiterhin an Subventionen laben und man selbst nur schwerlich aus den bewährten Denk- und Handlungsmustern ausbrechen kann, während der alte Markt langsam aber sicher schrumpft, der eigene Apparat aber noch aufgebläht ist?
Der Kampf um die Vorherrschaft auf deutschen Sofas dürfte aber auch für alle anderen Beteiligten spannend werden. Gewinner könnten am langen Ende vor allem wir Endverbraucher sein.
Dieser Beitrag erschien ebenfalls auf Freitag.de. Das Bild stammt von twicepix (Flickr)
Netzwerke und Kommunikationsservices wollen uns dazu bringen, unaufhörlich zu kommunizieren. Eine alte These wird dadurch aktueller denn je
Der Soziologe Niklas Luhmann hätte seine Freude daran gehabt zu beobachten, wie Kommunikation in Zeiten von Facebook, WhatsApp und iMessage funktioniert. Getrieben von den uns ständig über alles benachrichtigenden mobilen Diensten sind wir nicht viel mehr als Objekte. Notwendige Übel für die Autopoiesis der Kommunikation, die sich selbst erhaltend Ottonormalsurfer dazu zwingt, die Kanäle beständig und ohne Unterlass zu füttern. Sich heute vorzumachen, man kommuniziere (und nicht: es kommuniziert einen), fällt bei Betrachtung der jüngsten technischen Entwicklungen schwer. Die Frage, für wen wir schreiben, für uns oder das Netzwerk, also die Kommunikation an sich, dürfte zumindest für den reflektierten Anwender vermehrt zu den eigenen Ungunsten ausfallen.
Haben Facebooks Gefällt-mir-Button und 1-Click-Pendants der übrigen Netzwerke die Schwelle für Interaktion schon seit geraumer Zeit qualitativ und quantitativ auf niedrigstes Niveau herabgesenkt, gesellt sich zum Chor der niemals verstummenden Mitteilungszentren seit Kurzem eine vermeintlich unauffällige Funktion, die auf zweierlei Art für sozialen Stress bei den Partizipanten eines digitalen „Gesprächs“ führt: die Lesebestätigung. Während man bei Apples iOS den Nutzern noch die Möglichkeit gewährt, selbst zu entscheiden, ob man diese nutzt, ist sie bei zwei anderen Kommunikationsglobals – WhatsApp und Facebook – längst obligatorisch.
Auf den ersten Blick nützlich – wer möchte nicht sicherstellen, dass das Geschriebene auch beim Empfänger angekommen ist – entstehen in Wahrheit Fragen, denen sich die jeweilige Seite zwangsläufig stellen muss: „Er/Sie hat meine Nachricht gelesen – wann bekomme ich Antwort?“ Oder: „Er/Sie weiß, dass ich die Nachricht gelesen habe, sollte ich nicht zurückschreiben?“ Daraus ergibt sich ein durchaus gewollter Druck auf beide Seiten, dessen Zweck darin besteht, den Strom der Kommunikation nicht abreißen zu lassen: Autopoiesis – nur eben nicht die eigene.
Der Grund für den aggressiven Offenbarungseid der Kommunikationsunternehmen findet sich in den Grenzen des Marktes, auf dem sie operieren. Zwar vermeldete Facebook kürzlich, man habe die Schallmauer von einer Milliarde Nutzern durchbrochen. Jedoch vermuten Analysten schon länger, dass die eigentlichen Wachstumspotenziale des Netzwerks längst nicht mehr in der Anhäufung von Usern, sondern in deren Bindung – oder weniger romantisch: Verweildauer und Klicktiefe – bestehen.
Um dieses Potenzial nutzen zu können, muss Facebook – als Makler der Kommunikation – den Willen der User peu à peu durch den eigenen – also indirekt den der Kommunikation – ersetzen, um das lebensnotwendige Grundrauschen zu garantieren. Die Zeit des Buhlens um neue Nutzer scheint vorbei.
Was man hier beobachten kann, ist nichts Neues – schon gar nicht für Jünger von Luhmanns Systemtheorie. Es zeigt sich aber an dieser Entwicklung, dass ein soziales Netzwerk gerade nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikation besteht. Der vermeintliche Akteur, als der sich der Mensch selbst wahrnimmt, ist ein Rädchen in der Maschine. (Letzteres verwechselt der Boulevard zu gerne mit Internetsucht.)
Was bleibt, ist sich dieser (vermeintlich) neuerlichen Sinnentleerung des eigenen Tuns bewusst zu sein. Und, wenn sich das Smartphone zur Benachrichtigung bereit vibrierend an den Leib schmiegt, mantraartig Camus’ Wahlspruch zu wiederholen: Wir müssen uns Sissi Voss als einen glücklichen Menschen vorstellen.
Dieser Artikel erschien ebenfalls am 18.10.12 im Freitag (42). Bild via imago / Entertainment Pictures












