Autorenarchiv für Esther Green

Weisse Hasen fangen

Silvester ist Kommerz. Wer sich dem gesellschaftlichen Zwang zur kollektiven Reinfeierei entziehen kann, spart nicht nur eine Menge Geld, sondern auch viel Energie. Und diese Energie kann in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal am 1.1. beim Neujahrsempfang des WHITE Labels abgebaut, beziehungsweise abgetanzt werden. Wenn die feuerwerkaffinen Berlintouristen noch den Rausch in ihren Billighostels ausschlafen, treffen sich alle diejenigen, in denen noch ein Funken Tanzlust von der Vornacht glüht oder die wohlweislich übervolle Straßen und Clubs gemieden haben, in den eleganten Weiten des Kino Internationals, um sich von den erlesenen Tiefen des House verführen zu lassen. Zum Tanz bitten der Hamburger EFDEMIN, MARCUS WORGULL aus Köln, des Dresdner Shootingstars JACOB KORN mit einem Liveset, sowie DJ Sets von u.a. JULIUS STEINHOFF, CHRISTOPHER RAU, MANO LE TOUGH, RICARDO ESPOSITO und OSKAR OFFERMANN. Insgesamt bieten mehr al 16 DJs und Livekünstler eine akustische Erholungskur für von Chinaböllern und Popgeballer geschunden Gehörgänge..

Kino International, ab 22 Uhr für 12 Euro

Herbstzeitlose

Du sollst nach vorne gucken, weitermachen, dich aufrichten, die Vergangenheit ruhen lassen. Das Leben geht weiter – das weißt du. Es klingt in deinem Ohr wie ein schaler O-Ton. Ein es-geht-immer-weiter-Tinnitus. Die Zeit, sie fließt nur in eine Richtung. Sinnlos, sich dagegen zu stellen. Egal wie laut du rufen würdest, egal wie heftig du gegen den Strom anpaddelst. Tick, Tick – die Uhr dreht sich weiter. Vergiss das Ticken. Bleib liegen. Denk an nichts oder denk an alles. Jemand hat vergessen, uns das mit auf den Weg zu geben. Die Bilder holen das nach.

Werke I, III, IV, V, VII von Antonio Santint

Werke II,VI von Sebastian Schrader

Rheinische Tanzkultur I Like

Wenn es ums Feiern geht lässt sich der Berliner nur ungern etwas vormachen: Sieben Tage die Woche, im U-Bahnschacht, auf dem Rollfeld oder umringt von einer südafrikanischen Blechhüttenlandschaft was soll da schon noch kommen? Bei dieser ganzen Abgeklärtheit kann ein wenig rheinischer Frohmut nicht schaden und so kommt uns die Like Party aus dem fernen Köln gerade recht. Dürerstuben, Good Guy Mikesh, Marius Bubat von Coma, Jason Dun und Esther Silex geben sich die Ehre und bitten die Berliner auf das Tanzparkett. Und weil wir darüber hinaus sehr bedacht darauf sind, der hiesigen Spaßgesellschaft auch immer etwas Kultur mitzugeben, hier unser etwas anderer Aufruf an euch: Befreit Like aus seiner öden Web 2.0 Daumen hoch Gefangenschaft und verhelft ihm durch eure Anwesenheit zu einem neuen tanzbaren Image so wie einst den gebrochenen Herzen. Knicken verlost 2×2 Gästelistenplätze und freut sich mit euch ein gepflegtes Herrengedeck im Ballhaus zu trinken. Einfach eine elektronische Nachricht mit den Betreff “Toni mag keine Emails” an knickenberlin@googlemail.com.

Freitag, 5. November um 23:00h, Ballhaus Mitte I Berlin

Der Berliner Kunstherbst – Zwischen Form und Format

Plötzlich war es da, das rot-goldene Farbenspiel in den Straßen, der Herbst war in die Stadt gekommen und mit ihm 40.000 Galeristen, Künstler, Kunstsammler und alle, die sich sonst noch so zu dem Dunstkreis der Kunst zählen. Bereits zum 15. Mal pilgert diese illustre Gesellschaft nun zu den grauen Hallen des Messegeländes. An der Peripherie der Stadt, zwischen Autobahnzubringern, Busbahnhöfen und griechischen All You Can Eat – Imbissen versammelt sich der Kunstbetrieb, in dem wohl einzigen Gebäude weit und breit, dessen architektonischer Anspruch über den der reinen Funktionalität hinaus geht.

In diesem Jahr wurden die jungen Galerien aus dem Sektor Fokus in die Hauptausstellung integriert und nicht wie in den letzten Jahren separat behandelt. Aber die wohl größte Neuerung stellte hingegen die Kooperation mit der abc art berlin contemporary dar.

Oft als kleiner Bruder des Art Forums missverstanden ist die abc genau eines nicht, und zwar eine klassische Kunstmesse. Mit einem Format, das zwischen Gallery Weekend und Ausstellung changiert, liegt ein großer Unterschied vor allem in der Themenbezogenheit der abc. Das mag zunächst einmal nicht verwundern, da die Initiatoren der abc auch die Gründer des jährlich stattfinden Gallery Weekends sind und damit bereits erheblich zur Berliner Kunst- und Kulturlandschaft beigetragen haben.

Das flexible Konzept der abc hat sich die letzten drei Jahre bewährt: jedes Jahr ein anderes Motto und ein anderer Ort. Durch diesen damit einhergehenden Prozess der Selbstreflexion gewährt die Ausstellung ein stetiges Anpassen an aktuelle Strömungen und Entwicklungen im Kunstbetrieb. Auch in diesem Jahr hat sie den Anspruch verfolgt, gegenwärtige Tendenzen im Kunstbetrieb nicht einfach nur abzubilden sondern zu hinterfragen und zu analysieren. Mit dem diesjährigen Thema light camera action lag der thematische Fokus auf dem Verhältnis zwischen Kunst und Film. Wie selbstverständlich wird das Medium Film in der zeitgenössischen Kunst verwendet, das Verhältnis zwischen Film und anderen Darstellungsformen kommt dabei in den meisten Fällen zu kurz. Der Film kann uns eine neue Perspektive auf unsere Umwelt gewähren, so zum Beispiel in Frank Stürmers Videoinstallation: In Untitled (Gondol) beobachtet man als Zuschauer das Geschehen eines Jahrmarkts von einem Riesenrad aus. Szenen, die zunächst belanglos und alltäglich wirken, offenbaren nur nach wenigen Sekunden der Beobachtung ihren Wert. Das vermeintlich banale wird einmalig und essentiell, die Riesenradfahrt zu einem ethnologischen Exkurs, der uns unsere Umwelt und die Menschen um uns herum näher bringt. Wo es Stürmer gelingt, uns durch das Medium Film, die Welt näher zu bringen, erinnert uns Julien Previeux mit ihrem Film Post-Post-Production an die Prozesse, die unsere Realität konstruieren. Die Masse an Informationen, die wir tagtäglich erhalten, ist zum großen Teil medial vermittelt. Wir beziehen unser Wissen über die Welt aus Fernsehen, Internet, Film und Fotografie. Der Prozess der Post-Post-Production offenbart die Manipulierbarkeit dieser Informationen und lässt uns an dem Gesehenen zweifeln. Daraus ergibt sich konsequenterweise ein Diskurs darüber, welche Ausstellungsformate zeitgenössische Kunst benötigt, damit sie in ihrer ganzen Komplexität rezipiert werden kann. Werden Skulpturen und Gemälde vor allem betrachtet, ist die Rezeption eines Filmes weitaus komplexer und benötigt in den meisten Fällen mehr Zeit und eine intensivere Beschäftigung mit dem Kunstwerk. Aus diesem Grund steht bei der abc das Werk des Künstlers im Vordergrund, nicht wie bei Messen sonst üblich die Galerien mit ihren zahlreichen Künstlern. Das Kunstwerk als Ganzes zu betrachten und nicht als einzelnes, aus dem Werk herausgelöstes Objekt, ist ein Anfang, um der Komplexität und Vielschichtigkeit der zeitgenössischen Kunst näher zu kommen. Die zeitgenössische Kunst benötigt diese Aufmerksamkeit und das Wissen über eine Bandbreite von Arbeiten, um verstanden zu werden. Das Ausstellungsformat der abc ist damit weitaus zukunftsweisender als die klassische Darstellungsform des Art Forums.

Bäumchen wechsle Dich

Hinter uns liegt ein kalter und trockener Sommer. Nicht im metrologischen Sinne – kaltes Nass von oben gab es ja schließlich genug. Die Berliner neigen da im Angesicht der nächsten fünf Monate Kälte gerne zur Melancholie und in nicht seltenen Fällen zur Landflucht. Nicht so Coop, der bereits mit dem Berlin Festival die Feiersaison offiziell eingeleitet hat. Dieses Woche gibt es gleich die nächste Veranstaltung für alle tanzwütigen Jünger elektronischer Tanzmusik. Zusammen mit BUGGED OUT & !K7 wird im Rodeo Club die Suck My Deck Release Party steigen. Musikalische Schmankerl gibt es von AZARI & III und dem FRIENDLY FIRES DJ-SET. Für eine visuelle Stimulierung der Sinne sorgen diverse Art Performances, so dass uns eigentlich nichts anders übrig bleibt, als den Herbst mit einer tiefen Verbeugung willkommen zu heißen.