Monatsarchiv für Februar 2012

Mixtape: Herr Schmitz | Veddel

 

Kurz vor der Erleuchtung kannst du nur eins machen: dich rumtreiben und aufpassen, wo du hinpinkelst.

 

Herr Schmitz | Veddel (Download) (Alt)

P.S.: Eine kurze Studie über Hiphop (oder so), den ich gerade mag. Inspiriert durch reale Besuche auf einer Elbinsel voller Gs.

Mehr auf Soundcloud.

Limited Vinyl Only

 

Die Erstveröffentlichung des Labels ava. ist eine auf 200 Stück limitierte 12 inch mit dem Titel “Various Artists”. Die Platte selbst ist in ein handgemachtes “Artwork” eingetütet, das mit einem Sticker verziert ist. Vor fast einem Jahr war es noch möglich, die Platte auf Decksrecords zum regulären Verkaufspreis (10,99 €) zu bekommen. Will man die Scheibe heute haben, kann man sie über discogs.com für 50 € erwerben. Auf der Pinnwand der FB-Fanpage von ava. ist nun ein Screenshot dieses Angebots mit der Überschrift “crazy.” zu sehen. “Crazy” aus dem Englischen übersetzt bedeutet: kirre, meschugge, übergeschnappt, verrückt oder wahnwitzig. Da ist nicht zwingend negativ.

Ich selbst habe für mein Exemplar wahnwitzige 25,50 € bezahlt – ebenfalls über discogs.com. Seitdem spiele ich “Symphonie Of A Brother” von Damiano von Erckert & Funkycan in beinahe jedem Set und kann mir dabei ein glückliches Lächeln nicht verkneifen. Denn zum Einen weiss ich natürlich was ich für die Scheibe hingelegt habe und zum Anderen, dass ich zu den “wenigen” glücklichen Besitzern dieser Rarität gehöre und sozusagen privilegiert bin, das schöne Stück auf Vinyl spielen zu können. Das sorgt zumindest bei mir, für eine zusätzliche Wertschätzung.

 

Damiano von Erckert & Funkycan | Symphonie of a brother

 

Tatsache ist doch, ein Label wird gegründet und das erste Release soll auf Vinyl erscheinen. Dieses wird möglichst bezahlbar, also in einer relativ geringen Auflage gepresst. Bei 200 Stück kann man schon mal handnummerieren, stempeln, oder eben eine Verpackung “basteln” bzw. ein handgemachtes Artwork beifügen. Decksrecords beschreibt das ava. Release als “fantastic limited handmade artwork 12 Inch Vinyl” – oder anders gesagt, ein besonderes Sammlerstück für Musikliebhaber des analogen Tonträgers. Bestimmt nicht nur, um dem Label Tribut zu zollen, sondern eben auch als Verkaufsargument. ava. hat erreicht, wovon viele kleine Labels träumen. Ihr erstes Release wurde komplett ausverkauft und das im digitalen Zeitalter, crazy.

Wenn man die Verkaufsgeschichte auf Discogs betrachtet, wird deutlich, dass die von mir investierten 25,50 € noch im preislichen Rahmen liegen. Der höchste Preis, der erzielt wurde, war 33,33 €, der Durchschnittspreis liegt bei 20,46 €. Es ist also nicht verwunderlich, dass jemand die Scheibe für 50 € verkaufen will, wenn 70 registrierte Discogsler das Vinyl in ihrer Wantlist haben und er gerade der Einzige ist, der sie exklusiv verkauft. Wer diesen Preis bezahlt, der muss doch total kirre sein.

Natürlich wird es immer Platten geben, die einem durch die Lappen gehen. Zu diesen zählt auch die auf Sushitech erschienene Mike Huckaby – Baseline 87, die auf 300 Stück limitiert ist und im Club für mächtig Dampf sorgt. Nach einem Vorverkauf haben nur noch wenige Scheiben den Laden überhaupt erreicht. Verrückterweise steht die Scheibe nun 18-mal auf discogs.com zum Verkauf. Dabei reichen die Preise von 25 – 85 €. Völlig übergeschnappt. Allein im Januar wurden 3 Exemplare für 33, 35 und 38 € verkauft. Klar genießt ein Mike Huckaby mehr Aufmerksamkeit und auch die beiden limitierten 10 Inch Vorgänger Sushitech 4.3 und 4.4 verleihen dem Hype um dieses limitierte Vinyl zusätzlichen Schub. Aber bei 18 angebotenen Stücken ist zum Einen der hohe Preis nicht mehr nachvollziehbar und zum Anderen zeigt es einfach, dass viele Hamsterkäufe getätigt und auf einen satten Gewinn spekuliert wurde. Wenn man die Scheibe für 10 € kauft und sie dann für im Schnitt 34,84 € verkaufen kann, macht man halt einen guten Schnitt. Die 205 want this Klicks auf discogs.com geben ihnen Recht.

 

Mike Huckaby | Baseline 87′

 

Aus Labelsicht muss es echt crazy sein, diese Entwicklung zu sehen. Obwohl – vielleicht verbirgt sich dahinter auch eine clevere Marktstrategie. Hat man gesehen, dass die Scheibe funktioniert, wird bei Labelmachern wie Vinylsüchtigen der Wunsch nach einem Repress größer. Was ist aber die Konsequenz einer weiteren Auflage? Wie beim Geld nachdrucken, kommt es zu einer Inflation, also einer Entwertung der Erstauflage. Doch damit schaden die Labelmacher nicht nur den Käufern der ersten Stunde, sondern auch sich selbst und ihren Künstlern. Das ganze wird als Hype-Strategie entlarvt und wird sich spätestens beim nächsten Release bemerkbar machen. Labelmacher sollten den Mut haben, dem Gesang der Sirenen zu widerstehen um den selbst gemachten Mythos nicht gleich wieder selbst zu dekonstruieren.

Und als Vinylsammler vielleicht einfach mal wieder den Weg in den nächsten gut sortierten Plattenladen finden. Da wartet vielleicht noch der ein oder andere Schatz darauf gefunden zu werden. Außerdem gibt es z. B. mit der Clone Store Only Series, die wie der Name schon sagt, Platten, die nur im Laden eures Vertrauens zu haben sind – eine erfrischende Innovation, wie ich finde. Trotzdem ist auch hier ist Eile geboten – aber gute DJs haben ja bekanntlich flinke Hände.

Video: Willis Earl Beal | Evening Kiss


Willis Earl Beal | Evening Kiss