Kinospot: Mustafa’s Gemüsekebap | Davor steh ich mit meinem Namen

 

Berlin – Am Donnerstag, den 20. Oktober, eröffnete das Yorck-Kino zu Kreuzberg 61 seine Pforten, um einem ausgewählten Publikum aus Presse, Freunden und Liebhabern des Drehspießes den brandneuen Kinospot für Mustafa’s Gemüsekebap zu kredenzen. Mich selbst kostete es einiges an Überwindung, 36 zu verlassen und mich zu unchristlichen Zeiten vom Halleschen Tor aus in Richtung Schöneberg zu begeben. Für das Babylon hatte es offensichtlich nicht gereicht, auch das Neue Off wäre eine Alternative gewesen, die die Veranstalter offensichtlich nicht in Betracht gezogen hatten. Die Ortswahl auf die Nähe zum beworbenen Objekt selbst zu schieben, schien fernab offensichtlicher Argumente wie ein höhnischer Scherz. Aber gut, was lässt man für Freunde nicht alles über sich ergehen. Es war schließlich unvernünftiger Donnerstag, in Kreuzberg kurz mit UVD kodiert, um Missverständnissen mit holländischen Touristen und/oder Arbeitgebern bzw. dem eigenen Terminplaner vorzubeugen.

Anyhow, nach einem kurzen Stelldichein mit den Werbenden und Mustafa, musste ich feststellen, dass nur Letzterer zu wissen schien, wie das Event inklusive Pressekonferenz zu bewältigen war. Erstmal 2 Espressi, der Rest Impro. Der Plan stand also, das Wetter über Schöneberg zog langsam zu, ergo rein ins Kino. Der Mate war zwar leer, die mir angebotene Latte lehnte ich aufgrund ideologischer Überzeugungen und eines nervösen Zuckens am linken Augenlid trotzdem dankend ab. Dies sollte sich kurze (lange) Zeit später als Fehler heruasstellen, da die Kulturschaffenden sich standesgemäß Zeit ließen.

Anyhow, mit ca. 30 Minuten Verspätung ging es los, plötzlich, unerwartet, alle vorigen Bedenken schonungslos bei Seite wischend. Ein Feuerwerk der Gefühle brach über mir herein, warme Bilder von zufriedenen Menschen, die Glück und Nachhaltigkeit versprachen, die einem vermeintlichen Plagiator wie Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg warm ums Herz hätten werden lassen (falls Baron im nächsten Monat in Kreuzberg ins Kino zu gehen pflegen, tut es das sogar vielleicht noch). Ich sackte in meinen Sessel, erschöpft, all mein Serotonin war verschossen, aber dann: noch eine Runde. 40 Sekunden Leidenschaft, Identifikation mit dem Beruf, Kreuzberger Realness, scharf. Danach: tosender Applaus, eine Welle der Begeisterung, Menschen, die nur noch von den Stuhlreihen vor ihnen zu halten waren, ältere Damen mit Tränen in den Augen, vor Hunger kreischende Teenies.

Anyhow, die Hauptverantwortlichen genossen ihr Bad in der Menge (die Pressekonferenz) nach der Vorstellung sichtlich, große Sätze wie “Ohne euch würde es keinen Döner geben!”, “Wir wollen, dass Döner euch wieder Spaß macht!” und “Der beste Moment nach meiner Geburt!” fielen und die inzwischen gelöste Stimmung ließ vergessen, wie widerwillig ich mein natürliches Habitat verlassen hatte. Einzig eine Redakteurin der Taz trübte die Stimmung, indem sie die Sinnfrage stellte. Keine Zeit, die Meute wollte jetzt Döner. Alle Beteiligten wussten, dass dies vielleicht ihre letzte Chance war, bei Mustafa ein Endprodukt zu ergattern, bevor dieses gut behütete Geheimnis neben dem Waschsalon einen Bekanntheitsgrad erreicht, der die Schlange vor dem Etablissement auf eine Größe katapultiert, die den meisten von uns bis dato maximal vom Erwerb eines beliebigen Apple-Produkts bekannt war. Unser aller Freund World Fame stand bereits Gneisenau, Ecke Yorckstraße.

 

Disclaimer: Der Autor ist befangen und lässt sich in regelmäßigen Abständen von Mitarbeitern einer Kreuzberger Werbeagentur mit Sach- und Trinkgeschenken aushalten.

  • teresa

    Den Bekanntheitsgrad hat Mustafa doch schon längst erreicht und den Waschsalon gibts nicht mehr, dafür einen Italiener mit Hostel darüber inklusive einer Warteschlange bis Curry 36. Typische Berliner Meckerei, ich weiß, aber um den Mehringdamm trauer ich schon ein wenig…

  • http://knicken-berlin.de Herr Schmitz

    Das nächste Mal schreibe ich einen Erklärtext. Versprochen.

  • teresa

    Erklärtext? So war das gar nicht von mir gemeint!

  • http://knicken-berlin.de Herr Schmitz

    Ich wollte damit sagen, dass ich die real existierende Schlange natürlich mit Absicht verschwiegen habe. Der Waschsalon ist ebenfalls eine Reminiszenz an “bessere” Zeiten. Und 61 bezeichne ich fortwährend als Schöneberg. Die diesen Aussagen immanente Kritik [sic!] wollte ich nur für die Jungs von Dojo nicht ganz so offensichtlich formulieren. Sonst krieg keine Feuerzeuge und T-Shirts mehr für lau.

  • BenyBoy

    Es gibt da noch einen anderen und soll angeblich noch besser
    schmecken als Mustafa!

    Ich habe dort schon auch öfter gegessen und ich muss zugeben
    dass er mir sehr gut geschmeckt hat! Deswegen esse ich jetzt dort öfter!  Ganz selten in Berlin-Neukölln so etwas Leckeres
    und Qualitatives zu finden!  Der Imbiss
    ist glaube ich an der Hermannstr. 113, genau an der Brücke gegenüber des
    Hermann’s Quartiers!

    Wie ich das ganze beobachtet konnte wird dort jeden Tag
    alles frisch, auch teilweise mit BIO Gemüse zubereitet!

    Kann es nur jedem Empfehlen und ist das Geld wert!

    Da muss man wenigstens nicht so lange warten und ist nicht
    nur viel leckerer sondern auch preiswerter!