Monatsarchiv für September 2010

Slawjana Kola | Bits & Pieces



Slawjana Kola

 

Mehr Informationen und Öl auf Slawjanas Homepage. Außerdem hat sie noch mit Musik zu tun.

Darwin Deez | Constellations


Darwin Deez | Constellations

Jaill | Stroller

Jaill | Stroller

Aber besonders schön ist “We’ve won”, zu finden drüben bei der roten Gefahr. Dazu tanzen könnt ihr am 15. November im Privatclub

.

mögest du in interessanten zeiten leben

Erdmöbel | Fremdes

Was schon den ganzen Sommer über zauberhaft auf den Ohren saß und dem Herbst im Nu sein Grau klauen wird: das neue Erdmöbel-Album “Krokus”. Es erscheint am 17. September bei Edel Records. Am gleichen Abend präsentieren die Herren ihr Liedgut im Berliner Lido.

Wo ist das Verb? Warum manch ein Magazin doch lieber ein Blog geworden wäre.

Die gesetzlose Wüste des Internets und die distinguierten Institutionen der Printlandschaft befinden sich bekanntlich in einem nach wie vor währenden Zwist. Die Vielzahl der Blogs und Internetmagazine lässt so manch einen Journalisten das jähe Ende seines Handwerks heraufbeschwören. Alteingesessene Tages- und Wochenzeitungen versuchen, durch Kooperationen mit den jungen Wilden doch noch Eintritt in die Köpfe Digital Natives zu erhalten. Dabei kommt es dann zu so unterhaltsamen Kooperationen wie Stil in Berlin mit der Zeit. Da muss sich dann der ein oder andere selbst ernannte Fashionpunk aus Berlin Mitte dem kritischen Blick des Eppendorfer Zeit Lesers stellen. Zurück zum Handwerk. Ein Artikel gehört erst einmal recherchiert, verfasst, redigiert, gegengelesen, gekürzt, abgeändert, angepasst, ein weiteres Mal gegengelesen und dann erscheint vielleicht irgendwann ein Licht am Ende des Tunnels – die Veröffentlichung. Auf Papier, schwarz auf weiß: Da steckt Herzblut drin. Das gleiche Prozedere online lässt sich auf zwei Schritte herunterkürzen: Artikel verfassen, veröffentlichen drücken. Keine Kontrollinstanzen, die absolute Unabhängigkeit, Spielplatz für alle, die als Kind schon gerne Wörter an den Tellerrand gelegt haben, anstatt die Buchstabensuppe zu löffeln.

Blogger, das war mal ein Synonym für einen Visionär, der nicht weniger im Sinn hatte als eine Demokratisierung des geschriebenen Wortes, die Etablierung eines neuen, digitalen Öffentlichkeitsbegriffes. Heute darf sich jeder zweite Modestudent mit diesem Titel schmücken und wie hätte es anders sein können, auch der Printmarkt scheint davon nicht ganz unbeeinflusst. Wer nicht länger in der grauen Masse, der sich ständig selbst kopierenden Blogs mit so innovativen Kategorien wie Mode, Lifestyle, Kunst und Party untergehen will, der bastelt sich einfach ein Printprodukt. Das ist eigentlich ganz praktisch, weil man damit schon mal gleich den immer funktionierenden “back to the roots” Trend mit einfängt: Eine Reduzierung auf das wirklich Wichtige, Text und Papier ohne Flashplayer und Kommentarfunktion. Der beträchtliche Anstieg von frei erhältlichen Printmagazinen, die, attraktiv platziert, vornehmlich in Bekleidungs- und Beschallungsinstitutionen zu finden sind, hat eine nähere Betrachtung des Phänomens fast unumgänglich gemacht. Oh du schönes Berlin, jetzt werden sogar die Magazine für lau feilgeboten. Bei Blogs hat man sich bereits daran gewöhnt, dass sich der informative Mehrwert einiger Beiträge eher im bescheidenen Bereich bewegt und man zu Syntax und Semantik keine intensive Freundschaft pflegt. Dass diese Charakteristika jetzt auch bei den gedruckten Kollegen Einzug halten, ist zwar nicht ganz neu, aber dennoch ärgerlich. Wortspiele wie Mitteschön und Mitte ins Herz kann man mögen oder eben nicht, Sätze, die ohne Verb auskommen müssen, sind allerdings keine Frage mehr von kreativen Wortspielereien. „Die Neunzehnneunziger. Es war grau, es war ungastlich, aber es war zu haben. Das war für einen bestimmten Menschenschlag genug, um anzufangen.“ Hier fehlt zwar nicht das Verb aber dafür der Aha-Moment. Im Jahr 2010, wo Mitte vor allem geprägt ist von Hotelneubauten und den höchsten Mieten der Stadt, scheint es wenig Sinn zu machen dem „Spirit“ der 90er zu frönen. Vor allem dann nicht, wenn das Gros der Redakteure seit einem geschlagenen knappen Jahr in Berlin lebt.  Mit Wir Mitte-Muttis wird eine sonst hochgradig vernachlässigte Leserschaft angesprochen. Die schicke Nido-Mami, die „ein halbes Jahr mit einem verstauchten Fuß herumrennen, weil wir es mal wieder nicht lassen konnten, unsere neuen Sommerschühchen auf dem Spielplatz anzuziehen.“ Die gibt es nämlich nicht nur im Prenzlauer Berg, sondern auch zwischen Auguststrasse und Hackescher Markt! Das ist auch in etwa der Radius, in dem sich Mitteschön bewegt.

Dass Mitte nicht nur aus dem Scheunenviertel besteht und die Geschichte des Bezirks fernab der romantischen Kreativutopie auch seine Ecken und Kanten hat, wird dabei gerne ignoriert. Die Gala für Mitte und ein weiteres Projekt, was es versäumt tiefer zu gehen als die sowieso schon überlastete Berliner Blogosphäre, deren einziges Alleinstellungsmerkmal ihre überbordende Selbstverliebtheit ist. Berlin eilt der Ruf einer jungen Metropole voraus, die nach wie vor in einem anziehenden Wandel begriffen ist. Von diesem Wandel ist, gerade in Vierteln wie Mitte, momentan nur wenig zu spüren. Dort ist vor allem eins zu beobachten, nämlich eine neue Kleinbürgerlichkeit, die sich durch ein mangelndes Interesse an dem, was fernab der eigenen Bezirks- und Szenegrenzen geschieht, auszeichnet. Magazine und Blogs haben eine Daseinsberechtigung und die ist auch am Grade ihrer Relevanz zu messen. Reproduktion und Imitation aber schaffen keine Relevanz, sondern schiere Langeweile.