Monatsarchiv für Juni 2009

2. juli – 1×2 tickets für die vice bread & butter party

picture by miss hentschel

die fashion reports des vice magazins stellen den hochglanz-schreiberinnen der modewelt die nackenhaare auf, denn obgleich der vice-typischen neigung zur übertreibung treffen die kurzbeschreibungen des berliner stils die sache zielgerichtet im mark: die “mysteriöse kombination aus sex, abgefucktheit und dem süßlich-soften charme einer vorkriegsschönheit hat unser aller herzen ergriffen”. doch berlin, die bread & butter und die fashionweek brauchen gerade wegen der mühsam gebügelten fassade und den durch die prominenz des hinteren alphabets erzwungenen glamour während der modischen woche parties, die fashion auf eine andere art und weise zelebrieren. schwappt der vodka nicht aufs kleid, hast du nicht richtig gefeiert.

für die vice party am 2. juli – die zweifelsohne viel fashion, aber wenig couture bieten wird – haben wir 2 karten zu vergeben, und die aufgabe ist denkbar einfach: beschreibt uns kurz, was für euch der berliner stil ist und welches stück die berliner straßen und nächte in der kommenden saison prägen wird.

eure fashion reports nehmen wir montag und dienstag als e-mail an knickenberlin@googlemail.com hocherfreut entgegen, und wenn ihr schon dabei seid, packt sie gerne direkt in die comments.

alle infos zur party, die übrigens nur mit einer einladung in angriff genommen werden kann, findet ihr auf dem flyer. unsere zusammenfassung der letzten fashion week findet ihr an dieser stelle.

einen ausschweifenden guide zu den nächtlichen festlichkeiten während der fashion week und bread & butter haben übrigens unsere charmanten kollegen von i heart berlin zusammengestellt.

Levi’s Gewinner Teil 2: Das Grufti-Mädchen

This Shit is serious. Es geht um tiefe Zuneigung, Respekt, Trends und Ghetto. Dinge, mit denen man in Kreuzberg stets umgeben ist. Wir fühlen mit.

“Als ich in der 5. oder 6. Klasse war, musste man eine Pash-Hose anhaben. Ich meine nicht, um etwas darzustellen, sondern um überhaupt wahrgenommen zu werden. Pash-Hosen waren die ganz weiten, die aussahen, als hätte man reingemacht und man musste sie erst in weiß und dann in rot haben. Vielleicht war es auch andersherum.

Die haben aber damals schon 150 Deutsche Mark gekostet. Meine Eltern haben nicht eingesehen, mir eine so teure Hose zu kaufen: “Geh doch zu Jean Pascale, da gibt es auch Hosen, oder C&A. Wir verstehen gar nicht, was du auf einmal gegen C&A hast…”

Ich war damals verguckt in einen ganz harten Typen zwei Klassen über mir, Alexander N******, der war voll Ghetto, hat aber nur mit Pash-Hosen-tragenden Mädchen geredet. Es musste also dringend eine her. Natürlich habe ich mein Sparschwein zerschlagen, in das ich schon seit 5 Jahren eine und zwei Markstücke gesteckt hatte und habe mir eigenhändig eine tolle weiße Pash gekauft. 


Ganz stolz kam ich in die Schule und stellte mich in die coole Ecke. Als der Typ mit seiner Ghetto-Entourage vorbei kam, sah er mich, blieb stehen und begutachtete meine Hose. Dann fingen er und schließlich alle anderen an zu lachen und er meinte: ”Ey, uncool, voll von gestern mit der Pash, jetzt trägt man Levi’s. Alter!” Gedemütigt habe ich dann aufgegeben, mich nach der Mode zu richten und bin ab der 7. Grufti geworden.”

Lieber Alexander, wir danken dir. Es ist nähmlich dank deiner Mithilfe nochmal alles gut gegangen. Wir wissen das. Auch wenn es hart war. Damals.

Mehr zum Levi’s Unbuttoned Event am 2.7. im Astra gibt es hier oder rechts in der Leiste.

Levi’s Gewinner Teil 1: Der Ostfriese

Unser erster Gewinner kommt aus Ostfriesland und hat es nicht leicht. Wir fühlen mit.

“also da ich desgintechnisch ja hochgradig interessiert, aber eher minderbemittelt bin, was sich unter anderem darin äußert, dass ich voll gerne visuelle kommunikation in berlin studieren würde, aber das bewerbungsverfahren von der htw einfach zu hardcore ist, um einen semitalentierten ostfriesenjungen wie mich da durchschlüpfen zu lassen (wie ich glaube, da ich die bewerbungsfrist verpennt habe), habe ich mich also just gegen ersteren link (buttondesign) entschieden und feuchtfröhlich auf den zweiten geklickt. komm, quiz ist easy, ich bin doch so schlau und so.

aber nee, kannste knicken (no pun intended), weil ich die songs von den ganzen helden nicht kenne. ich weiß ja nicht, ob ihr das ausprobiert habt, also da kommt so ein schickes java-web2.0-schlagmichtot-applet, wo einem so lieder vom busy und vom alex vorgespielt werden, und man soll dann klicken beim richtigen namen des songs. und die kannte ich nicht. ich kenn vom alex zwar so tolle remixe, wie den, den er vom sébastien gemacht hat, mit liebe & gewalt.

aber die antworten kannte ich nicht. ja klar, ich hätte auch einfach die antworten hier so auf einem oldskooligen .txteditor namens stück papier schreiben können und dann nochmal. ihr wisst schon. aber mogeln is nich, mogler stinken nämlich nach reis mit fisch, sagte man mir.

nun denn, entschied ich mich also für diese nette mail an euch, was ja so schlimm schon nicht werden könnte. war es jetzt auch nicht. ist nett mit euch! ich möchte nämlich mal wieder nach berlin. und wenn es mit dem studieren schon nicht klappt, und die leute, bei denen ich so ein tolles unterbezahltes praktikum machen möchte, sich jetzt nach 3 wochen immer noch nicht melden, dann will ich wenigstens ein bisschen tanzen.

also, berliner: habt ein herz und lasst meine freundin und mich unsere levi’s (bzw. lee oder humör oder doc denim, whatever… aber pssst, sagts nicht herrn strauss respektive dem türsteher) am 2. juli unbuttonen und unzippen. unbuttonen spricht man meiner definition nach übrigens anbattenen aus, ist gar nicht so schwer, ich probier es gerade aus.”

Frei nach Das Pop: “a naked girl will take my picture”. Das darf aber ruhig nachgeliefert werden.

Mehr zum Levi’s Unbuttoned Event am 2.7. im Astra gibt es hier oder rechts in der Leiste.

Who killed Bambi?

Dieter Gorny hat die Popkomm vorübergehend eingeschläfert. Die Ursachen für die einjährige Pause der ehemals glanzvollen Musikmesse sieht deren Gründer vor allem in der um sich greifenden Musik-Piraterie; sie mache es Unternehmen finanziell unmöglich, teilzunehmen. Damit stimmt Gorny in den Chor der Stimmen ein, die völlig zu Recht und überfälligerweise fordern, dass rechtliche Grundlagen für die Reformierung des krankenden Industriezweigs Musik geschaffen werden müssen.

Allerdings wiederholt er genau den Fehler, der ihn und seine Messe wohl tatsächlich in die aktuelle missliche Lage gebracht hat: Er klammert sich an eine alte Denke, die das Internet und die heutigen Musikliebhaber mit ihren Konsumgewohnheiten schon längst überholt haben. Im Gegensatz zu Tim Renner, der Open-Source-Ideen versprüht, pocht Gorny in altbewährter Bestrafungsmentalität auf das bereits in Frankreich gescheiterte Prinzip von Netzsperren für Musik-Piraten.

Seine Haltung ist nicht nur verfassungsrechtlich bedenklich, sondern verleugnet schlicht und einfach den realen Wandel. Dass sich der Konsument vom sich selbst bedienenden, freiheitsliebenden Filesharer zurück zum industrie hörigen, zahlungswilligen Musterbürger entwickelt, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Vielmehr gilt es, neue Wege zu finden, das Internet, diesen exogenen, technologischen Schock – genau wie die Kassette und die CD – zu überwinden. Das ausgerechnet das branchenfremde Unternehmen Apple die Musikwirtschaft mit iTunes und iPod ausspielen konnte, ist bezeichnend für die Fortschrittsrenitenz der Musikindustrie.

Dessen ungeachtet ist Gornys Anliegen, der Schutz des Urhebers, durchaus ehrenwert. Seine Angst vor der Kulturflatrate, die jegliche Downloads legalisieren und damit Künstler ihrer Verwertungsrechte berauben würde, ist begründet. Die Flatrate würde das Urheberrecht und damit die legalen Distributionswege auf breiter Linie aushebeln, sollte sie frei nach Renner der Open-Source-Logik folgen. Sinnvoller wäre die von CARTA-Gründer Robin Meyer-Lucht vorgeschlagene Urheberrechtsabgabe für das Internet, ähnlich wie es bei Rohlingen oder Brennern schon üblich ist. Diese Abgabe würde sowohl die nicht zu verhindernde Piraterie bedenken als auch den klassischen Geschäftsmodellen Respekt zollen. Zwar würde man illegale Downloads de facto tolerieren, nicht aber akzeptieren – ein entscheidender Unterschied.

Solche Ideen hört man von Gorny nicht, der eben aus diesem Grund die Idealbesetzung für das Sprachrohr der schocksteifen deutschen Musikwirtschaft ist. Man vernimmt nur das immergleiche Lamento, das den Diskurs mit der eigenen Kundschaft scheut. Doch genau hier hätte die Popkomm ansetzen und den Kontakt mit den Kreativen suchen müssen, wie es z.B. die Kölner c/o pop oder die Leipziger (Pop Up vormachen. Die Bewegung in der Urheberrechtsdebatte hätte ein fruchtbarer Nährboden für eine im Kern erfolgreiche, nachhaltige Messe sein können.

Stattdessen fabuliert Gorny von einer „digitalen Krise“, deren Höhepunkt tatsächlich längst passé ist. Popkomm-Direktorin Katja Gross verweist immerhin ganz richtig auf ein neues Gesamtkonzept, welches notwendig wäre, um der Messe 2010 wieder Leben einzuhauchen. Eine Randnotiz. Statt dessen: Alarm- statt Aufbruchstimmung, der Ruf nach Vater Staat statt Eigenveranwortung. Das kommt Ihnen bekannt vor? Willkommen im Klub der Bankrotteure.


Dieser Artikel erscheint morgen im Freitag. Auf Papier.

2.7.: 2×2 Levi’s Unbuttoned Berlin Event Karten zu gewinnen

Levi’s geht auf Tour. Das ist ja auch erstmal nichts Verwunderliches, denn als Firma mit lustigen Jeans und roten Schildchen hat man einen Ruf bei pubertierenden Teenies bis hin zu Hipstern in skinny Jeans und funky Hair zu verlieren. Und ganz neoliberal muss man einfach anerkennen, dass man sich beim heurigen Unbuttoned Event Mühe gegeben hat. Das Lineup ist sehr stark gut, ganz objektiv, die Zugangsbedingungen mehr als demokratisch. Abgesehen davon macht Aufknöpfen von je her am meisten Spaß, insofern triggert man hier echte Gefühle. Dafür bin ich natürlich immer zu haben.

Wie also kommt ihr zu euren Karten? Entweder ihr macht am Levi’s Design Contest mit und denkt euch ein paar sehr stark fetzige Knöpfe aus oder ihr beantwortet ein paar Fragen in diesem Quiz, wohlmöglich die einfachere Variante. Wie immer gibt es aber auch die Möglichkeit, uns mit einer möglichst dämlichen eloquenten Antwort zu überraschen und direkt bei uns 2×2 Karten zu ergattern. Das ganze per Mail an knickenberlin@googlemail.com. Die Antwort wird natürlich ebenfalls kommentiert und veröffentlicht. Ist klar.

Amanda Blank – Might Like You Better (dl) (alt)

Was gibt es sonst noch zu sagen? Die auftretenden Musiker sind unter anderem Alex Ridha, den ich noch aus Schulzeiten kenne und der heute als Boys Noize nicht nur ein Label, sondern auch ein paar mehr Achtungserfolge zu vermelden hat, Shir Khan von unsereren Lieblingsbloggern der Berlin Battery, der nicht nur niedlich ausschaut, sondern mindestens genauso auflegt, Amanda Blank, die uns als fetzige Emmanze in Combo mit dem Pornobatzis von Bangers & Cash in Erinnerung geblieben ist, Esser, den mein Herz Aleks schon vor Ewigkeiten an den Mann bringen wollte, die Crookers, zu denen man eigentlich nichts mehr sagen muss, ausser das hier und die Subways, die vermutlich Tessas Herz für sich gewinnen können. Von wegen funky Hair und so. Reinhören könnt ihr hier auch in ein bisschen was.

Esser – Long Arms (dl) (alt)

Mehr Infos zu dem Event findet ihr hier, mehr Infos zu den Muckern auf den Pages von Boys Noize, Amanda Blank, den Subways, Esser und der Berlin Battery.