Monatsarchiv für Dezember 2008

you’ve got your friends, i’ve got mine

der titel der ersten single von in endeavors könnte vielen pärchen den streit über die gemeinsamen sylvesterpläne ersparen. frauen, die sich nur schwer zwischen gut aussehen und nicht erfrieren entscheiden können und eine bande wildgewordener jungs lassen wohl am besten zusammenbringen, wenn der champagner bereits geflossen ist. das vorglühen vollzieht man folglich im zweifelsfall nach geschlechtern getrennt oder innerhalb der zusammenkunft lauter harmonischer pärchen. it will all be alright.

bevor es in den elektronisch dominierten dschungel der berliner sylvesternacht geht, gibt es hier noch einen happen indie von einer jungskombo aus lexington, kentucky: in endeavors. ihre erste ep klingt gänzlich familiär und natürlich genre-üblich getüncht. dennoch sind die kids hier eine erwähnung wert, denn alle fünf stücke der ep, die am 9. januar erscheint, sind durchaus solide, und ich komme nicht los von ihr: meiner schwäche für indie-boys. einen guten vorsatz braucht es da nicht, denn sie sind eine feine sache. finger weg von den männern, die für dich die gitarre am lagerfeuer zupfen wollen; der nonchalante umgang mit sex, drugs und rock’n’roll ist hingegen stets ein merkmal von oberster güte. frohes neues.

in endeavors – you’ve got your friends, i’ve got mine (dl) (ysi)

berlin, i love you






das sz-magazin hatte sich in diesem jahr zusammen mit der fotografin wiebke bosse in den verlassenen spreepark im berliner plänterwald gewagt, der joggenden hauptstadtbewohnern und spaziergängern entlang der spree am treptower park bekannt sein sollte. dort gibt es sie noch, verwucherte schwäne und freilebende saurier.
da der zutritt natürlich eigentlich nicht erlaubt ist, gelingen stilvoll komponierte aufnahmen ohne zeitdruck nur renommierten medien mit genehmigung. so schafft es das münchner sz-magazin einmal wieder mit einem editorial zu begeistern, und wagt sich dabei noch an die unterrepräsentierten gefilde der männer- und kindermode heran.

hoffentlich wird die freitagsbeilage der süddeutschen zeitung im nächsten jahr nicht unter dem sparzwang des medienhauses leiden. ein leben ohne oder mit dürrem sz-magazin hinterließe eine bittere lücke im schöngeist des tageszeitungsjournalismus. sie gäbe kein verträumtes relikt gleich den saurierplastikem im spreepark ab, die dort schon vor der finanzkrise friedfertig und protestlos verwitterten.

botox und bilanzen

bilanzen und eine kritische rückschau mögen in der finanzwirtschaft ihre berechtigung haben, und sollten sicherlich rigoros getroffen werden, wenn im nächsten jahr aus all unseren fähigen volksvertretern eine neue bundesregierung zusammengewürfelt wird. vor allen dingen sollte der blick auf den wahlzettel aber vorausschauend und mutig geworfen werden. den alten zeiten hinterhertrauern ist für und und unsere kandidaten das falsche rezept. wie viele andere stimmen den öffentlichen lebens klagen diese immer noch darüber, dass die zeiten sicherer koalitionsbildung vorbei sind, anstatt sich den herausforderungen des wandels im parteiensystem zu stellen. die cleavage-theorie greift auch 2009 maximal für eine annäherung an angela merkels modischen gehversuche zu den wagner festspielen oder dem bundespresseball.

die park avenue wird sich nicht mehr darüber wundern, die vanity fair in gewohnt dilettantischer weise. doch was kommt? bei knicken schauen wird nach vorne; schaut euch gerne die jahrescharts an anderer stelle an. über die tag cloud könnt ihr euch zudem einfach durch all das, was schön und mit einem funken popkultureller relevanz versehen war, schnell navigieren. der winter plätschert weiter; die lackleggins halten die mädchenbeine warm, aber auch im angesicht dieser ästhetischen grausamkeit darf die verliebtheit der kalten jahrestage ähnlich heftig klopfen wie im dritten frühling. das war auch wohl der eine grund, warum es bei knicken in den letzten wochen etwas ruhiger verlief. die anderen liegen in der flut exzellenter musik, die noch zum jahresende an die oberfläche trieb, und die friedliche und fruchtbare koexistenz von web- und printmedien. zwei musikalische auswüchse von gefühlt bedeutsamen rang und ein mediales schätzchen habe ich heute ausgewählt, auf deren schultern ich ins neue jahr blicken möchte. zum einen wäre da die school of seven bells die mein herz von brooklyn aus erobert hat und deren vorstellung ich mit einem interview bei lost at e minor beschließen möchte. ihr album alpinisms gehört so fest zu knickens musikalischem winter-repertoire wie die kirche ins dorf.

school of seven bells – i am under no disguise (dl) (ysi)

auch deutsche klänge melden sich im januar zurück. die berliner band klez.e hat in den vergangenen monaten ein album aufgenommen, das an bombast kaum zu überbieten ist. ein 20köpfiges orchester und 40 sängerinnen und sänger unterstützten die band bei ihrer platte ‘vom feuer der gaben’, die mit ihrer veröffentlichung am 30. januar 2009 einen maßstab im deutschen indie setzen wird, dem die branche für einige zeit hinterherhecheln dürfte. die erste single-auskopplung ‘wir ziehen die zeit’ erscheint bereits am 2. januar bei loob musik. ich habe als prelistening ‘madonna’ für euch ausgewählt. zudem empfehle ich euch ein von robert stadtlober hervorragend geschriebenes portrait über sänger tobias siebert, zu finden an dieser stelle.

klez.e – madonna

aber nun zu den schriftstücken: print ist tot, studivz sowieso und an blogs glaubt deutschland auch nicht. so weit, so gut. ich habe knicken die letzten monate nicht besonders gehegt, mein modischer mädchenblog flannel apparel könnte auch besser im futter sein, doch das alles hat einen grund. ich habe in den letzten monaten bei der wochenzeitung freitag an deren neuem erscheinungsbild gefeilt. anfang februar ist es soweit. die website, die zur zeit noch mittelalterlich anmutet wird in etwa einem monat einem onlineauftritt weichen, der vielleicht den zeitgeist der so genannten web 2.0-generation trifft, ohne dabei inhalte zu vernachlässigen. wer eine wirkliche alternative zu der qualität der deutschen printmedien im netz sucht, wen das zum boulevard verkommende spiegel-online erschaudern lässt, wer ein medium sucht, das das netz nicht als untergang der abendländischen kultur verschreit, wer lechzt nach neuen und frechen ideen, sollte den freitag im auge behalten. mein engagement beim freitag zeigt außerdem, dass die investition von liebe und zeit in ein kleines weblog – sei es nun zu musik, mode oder mädchenkram - mehr wert sein kann als praktikum nach praktikum in großen medienhäusern oder die freie journalistische tätigkeit für die lokalzeitung in der heimat. wer knicken liest, wusste das im zweifelsfalle schon, doch vielleicht ist es an dieser stelle noch einmal zeit dafür jan dafür zu herzen, dass er mich ins kalte und unbekannte wasser des bloggens schmiss, und ich irgendwann wieder wusste, dass ich zu recht irgendetwas mit medien studiere, auch wenn ich all mein rüstzeug für das leben in diesem dschungel abseits der uni erworben habe. eine weitere ausführung und liebeserklärung ans bloggen findet ihr hier.

danke, für dieses charmante jahr.

frohe, verspätete (naja) weihnacht / skatebaard.


skatebaard – gamle furutraer

dick, fett und glücklich. reichlich beschenkt, gefüttert und träge. besinnlich, besoffen und verkatert. betend, singend und spazierend. mit zimt, vannille und spekulatius. familiär, entnervt und zitternd auf dem balkon. irgendwo dazwischen solltet ihr euch wiederfinden können, hoffentlich. ich gebe zumindest mein bestes. tessa sicherlich auch.

insofern von uns ein frohes fest, irgendwo zwischen stuttgart und barmbek-süd,

tessa & schmitzi

ps. bald wieder mehr. bis dahin: lenz.

back in berlin. best of der vergangenen woche