Monatsarchiv für November 2008

schmusepferdchen

meinen ersten narren an einem schnäubenden vierbeiner fraß ich an filou, einem appaloosamix mit punkfrisur. klein, wendig und verschmust. das electro pop duo appaloosa klingt ebenso flauschig und weich wie das stubsen von pferdenüstern an der eigenen wange sich anfühlt, und so umsorgt uns die band in dieser manier mit einem wunderschönes winterstück: the day we fell in love.
appaloosa sind anne-laure keib und max krefeld die sich auf deutschem grund zusammenfanden und nun in london residieren. die zwei begeistern auch die großen namen: cat power nahm die beiden kurzerhand mit auf tour und bewies damit ein sicheres händchen für eine passende vorgruppe, auch wenn ihr publikum vermutlich bereits vor ihrem auftritt knutscht und die welt um sich herum vergisst. who could blame them?

appaloosa – the day we fell in love (dl) (ysi)

auf der myspace-seite von appaloosa könnt ihr mehr über die beiden erfahren. unter anderem beschreibt anne-laure keib dort detailliert wie sie zuerst in berlin landete und dort max kennenlernte und die beiden schließlich zur gemeinsamen musik kamen. im future claw magazine findet sich zudem ein ausführliches interview.

geheime gewohnheitstiere





unstetigkeit ist sicherlich eine sache, die man unserer generation nicht vorwerfen kann: irgendwo zwischen dem auf und ab der wirtschaft, fluktuationen im freundeskreis, bett und fußballverein, alten unterhosen, regelschmerzen und sonntäglichem ausnüchtern finden sich schematische zyklen, die wir teils unbewusst zu lieben oder hassen, aber auch zu akzeptieren gelernt haben.

seinen anfang nahm das ganze frei nach brand eins bei aristoteles, dem alten denker, der uns einbläute, katharsis wäre das ding: drama, tragödie, schmerz als mittel der seelenreinigung. ein credo, ein hin und her, das wir institutionalisiert haben, sei es in sachen mode, medizin oder nächtlicher zerstreuung. kurz lässt sich das auf folgendes zusammenkürzen: der mensch muss leiden, damit es ihm wieder gut gehen kann.

nun ist man heutzutage, fernab von sturm und drang, nicht mehr ganz so dramatisch; will heissen, leid muss nicht sein, abwechslung schon. man ist schließlich auf- und abgeklärt. so begeisterte mich schon damals im biologieunterricht herr wiedemann, ein heimlicher intimus von helge schneider, mit seinen abhandlungen darüber, warum die parallelen zwischen den vermehrungszyklen von wölfen und kaninchen so eng und unabdingbar mit einander verflochten seien. eine transferleistung zwischen den disziplinen vermochte mein jugendliches gemüt allerdings nicht zu leisten, das vergnügen blieb zunächst biologisch.

ganz generell sind zyklen etwas, dem sich unsere gesellschaft auf gedeih und verderben nicht entziehen kann. einem hamburger mag das per wasserstandsmeldung in die wiege gelegt worden sein, andere teile deutschlands müssen sich vermutlich andere anhaltspunkte suchen, um die etwaigen launen des partners unaufgeregt zu ergreifen. helfen könnte dabei boris becker. er steht wie kein anderer prominenter für den steten wechsel, auf den man sich verlassen kann – ausnahmen bestätigen die regel.

ohne jegliche selbstreflektion scheint dieser habitus auch ins web 2.0, modeblogs mitteilungsbedürftiger mädchen und denen der vom aktualitätswahn geknechteten musiknerds einzug gehalten zu haben. herr becker ist dabei der geheime bacchus, der ohne viel gnade befiehlt, auf altbewährtes und aufgekochtes zu setzen. bis es irgendwann kracht. dann wird von vorne angefangen. rücksicht wird dabei wenig genommen, reflektiert noch weniger. dem kritischen betrachter könnten sich allerdings ein paar fragen aufdrängen.

langweilen wir uns denn eigentlich nicht zwischen immergleichen modestrecken und flannelhemden, die uns weiss machen wollen, dass sie tagesaktuell wären? ist laut und doll aka new rave nicht eigentlich schon tot, geht uns minimales klickerklacker und der ausgenudelte klang neurotischer frauenstimmen über kosmischen discotunes nicht auf den wecker? sind die meisten arty installationen zwischen alternder schwerindustrie und cocktailglas nicht in wirklichkeit überflüssig? vermutlich schon.

der mensch aber ist ein zyklisches gewohnheitstier. er kann nicht anders, er will nicht anders und vor allem: er braucht es nicht anders. ob man das zwingend schlecht finden muss? mit sicherheit nicht, aber es erklärt zumindest das phlegma, das einen ab und an befällt, mit den hochs als reziprok. was vielleicht bleibt, ist ein wunsch nach schärfe, aber: “wir müssen uns sisyphos als einen glücklichen menschen vorstellen.”

mehr zu x-beinen findet man hier, mehr fotografie hier und etwaiges zu albert camus hier.

das licht in dir

the purest joy is when we are lost in the music
we do what we do tp perpetuate the unadultarated
exhibition of that emotion, the undeniable truth that
nothing matters when we’re dancing

jona bechtolt, yacht

marty schnapf, visual & performance artist

honey owens, musician

tahni holt, dancer, choreograph & performance artist

die künstlerische zusammenarbeit von cinco und chris hornbecker nähert sich dem ‘inside light’ bei verschiedenen kreativen. jeder verfüge über dieses licht – ob man es nun intuition, perspektive oder inspiration nennen wolle – und für manche sei es das herzstück ihres tuns – so die umsetzenden künstler der fotoreihe. für ihr projekt haben sie junge und innovative schöpfer aus dem raum portland nach dem zentralen thema als quelle ihres künstlerischen schaffens befragt und sie mit der lichtreflektion dieses wortes fotografiert. die vollständige fotoserie mit jeweils einem ausführlicherem statement zur inspiration findet ihr auf der website der zusammenarbeit: the inside light.

knicken mixtape #18: herr schmitz aus falkowitz – bora bora

“es ist samstag, entgegen aller voraussagen scheint die sonne. auf bora bora sind es trotz alledem gefühlte 30° mehr, echte sind es nur 20. “das ist doch scheisse”, denke ich. ich frage mich, ob ich den warnungen meiner ärztin folge leisten sollte, verwerfe diese gedanken aber im hinblick auf besuch aus der schweiz und das ein oder andere enge tänzchen. “man muss sich auch für die spaßgesellschaft zeit nehmen”, denke ich. das ist gut. “wenn feiern ist, dann ist immer feiern”, geht mir durch den kopf, während ich über die regenerativen fähigkeiten der leber meines mitbewohners sinniere. das ist ein schöner gedanke, schliesslich ist er noch jung. ich bekomme hunger, kann mich aber nicht zwischen croissants und küssen entscheiden. “beides”, denke ich und will ein date.”

zwischen kanzleramt und kanzel gibt es zum heutigen samstag, kurz nach dem ersten gestöber, das neue knicken mixtape von herrn schmitz, von dem so viele gern in der dritten person reden. mich eingeschlossen. als kleinen bonus das neue lieblingslied der wg.

herr schmitz – bora bora (dl)

musikalisch habe ich mich dabei vor allem an dem netten herrn aus der tempelhofer eckkneipe, der mich liebevoll und frei übersetzt als “mann der großen gefühle” titulierte, orientiert. es geht also wieder um cabrios und um zeiten, in denen man diese noch zu schätzen wusste. es sei allerdings bemerkt, dass ich dabei recht undogmatisch vorgegangen bin.

nu musik – warp (dl) (ysi)

downloaden könnt ihr das ganze hier oder per klick auf den titel, die tracklist findet ihr im anhang. das sehr teure kunstwerk findet ihr im 18er gold, gestiftet von der sehr stark guten frau grau. der single track geht auf die kappe der secret disco. viel spaß beim lauschen.

rotgelockte sitcom-helden

hanne van der woude

kaum etwas kratzt mehr an meinem morgenlächeln als die abwesenheit des sz-magazins in meinem briefkasten an einem freitagmorgen. bis zu meinem büro am hegelplatz ist dieses feine heft die ideale intellektuelle ergänzung zum kaffee und wohl das einzige magazin, dass meinen all monatlich wiederkehrenden altpapierentsorgungsaktionen niemals zum opfer fällt. “boy, ich zeige dir meine sz-magazin-sammlung.” auch gestern morgen zauberte das heft mir einmal wieder ein verschmitztes lächeln auf die lippen: ‘das prinzip’ widmete sich meinem liebsten artgenossen – boris becker. ich habe noch nie einen tennisschläger des sportes wegen in der hand gehabt, ich siedle den sexappeal von männern in weißen shorts eher am unteren ende der skala an, und deutschen klatsch verfolge ich maximal auf bild online – doch: boris hat bei mir einen stein im brett, mit augenzwinkerndem beigeschmack.
nach einer kindheit mit zu vielen spitznamen in referenz meiner roten locken, habe ich diese dann doch irgendwann ins herz geschlossen und vor allem entschieden, dass ich ebenso rotgeringelte kinder später mein eigen nennen möchte. diesen wunsch in die tat umzusetzen gestaltet sich dabei gar nicht so einfach. nicht nur, bin ich weit vom ticken meiner biologischen uhr entfernt, rote haare vererben sich außerdem rezessiv: mein rostiges haupthaar verdanke ich der mutter meines vaters. selbst ein rothaariger mann böte keine garantie für mein rotes wunschkind.
die zündende idee, wie ich trotz aller mendelschen regeln zu eigenen ginger kids kommen könnte, hatte schließlich der praktikant bei meiner früheren arbeit: boris becker muss her! wer mit einer afro-amerikanischen frau ein rothaariges kind zeugen kann, müsste mit einer rothaarigen frau gemeinsam vermutlich eine lola rennt in die welt setzen. der realisierung dieser idee stand nach diesem geistesblitz nur entgegen, dass ich in der reihe von beckers liebschaften aussehen würde wie das schwarze schaf, und zudem bobbele gegenüber eher mütterliche gefühle entwickele, als den gedanken an einen liebesakt. das sz-magazin hat dies in dieser woche hervorragend analysiert und in worte gefasst: boris bleibt ein kleiner junge, und ein sitcom-held dazu:

“nur der sitcom-held ist in seinen wünschen und träumen, seinen stärken und schwächen und ewigen selbsttäuschungen ähnlich durchschaubar und simpel gestrickt. er sagt dies, und jeder fünfjährige vor dem bildschirm weiß: eigentlich meint er das. eine cappuccinofarbene frau tritt auf, und siehe da: sabber, sabber, bumms, rassel, gelächter. dann kommt eine blondine, er schenkt ihr mit großer geste einen verlobungsring, aber am ende der folge: har, har, har. in der ecke des sets ist eine tür, die fast nie aufgemacht wird, aber jeder weiß: besenkammer. wann immer er daran vorbeikommt: ho, ho, ho.”

den vollständigen artikel von tobias kniebe gibt es an dieser stelle, und ich empfehle ihn wärmstens. nicht nur ist er ein bißchen böse - und das mögen wir – er wird auch in euch die mütterlichen oder väterlichen gefühle für das bobbele wecken, und ein bißchen liebe hätte er vermutlich jetzt verdient. per sms den laufpass zu bekommen, nagt auch an einem sitcom-helden.