Monatsarchiv für Oktober 2008

those dancing days

in our space hero suits

die wahl ihres bandnamens im zusammenspiel mit den sorgsam selektierten vintage-outfits, die über die skandinavischen streetstyle-blogs auch aus der garderobe deutscher mädchen nicht mehr wegzudenken sind, lässt erste schlüsse darüber zu, welche musikalischen schritte die mädchen von those dancing days in die welt des pop gewagt haben: es sind beschwingte schritte direkt auf das tanzparkett jeder indie-disko: mit anlauf, mit rosigen wangen, aber vor allem mit stimme. linnea jönsson, die sängerins, ein zartes wesen mit frech springenden locken, manövriert eine sehr erwachsene stimme durch jungen, verspielten sound ohne in den kurven vom gas zu gehen. ihr souliger gesang trägt wohl nicht unwesentlich dazu bei, dass eine gruppe soeben volljährig gewordener musikerinnen nicht direkt in die ecke des zuckerpop abgeschoben wird. zudem verzichten die damen aus dem stockholmer vorort nacka auf eine rotation am lead-mikrophon oder den übermäßigen einsatz ihrer stimmen vereint im chor, der auch in nonchalant vorgetragenen stücken schnell die erinnerung an ein ferienlader wecken kann. die rollen und instrumente sind klar verteilt. seit dem sommer 2005 spielen rebecka, lisa, cissi, mimmi und linea als band zusammen. auch bei den schwedinnen entpuppte sich die entscheidung einige demos auf ihre myspace-seite zu laden als einfache werbemaßnahme mit hoher triebkraft. sie werden ohne frage im nächsten jahr fester gast bei britischen award-shows sein.

ihre erste ep konnten die fünf energiebündel bereits im august veröffentlichen und überbrückten die zeit zum erscheinen ihres ersten albums mit dem abklappern der bühnen sämtlicher schwedischer festivals. dass die damen von ihrem schwung on stage nichts verlieren, lassen nicht nur augenzeugenberichte sondern auch die bereits veröffentlichten videos verlauten, die den drive, der das gesamte album durchzieht, bilderreich und bunt in szene setzen. mit einem trompeten-intro läuten those dancing days 40 minuten ungestümen pop ein: nicht glatt, nicht fehlerfrei, teils verspielt, teils in kitschigen sphären wandelnd, doch ohne die lauscher des süßen überdrüssig werden zu lassen. das hier schmeckt ehrlich. those dancing days erscheinen so liebenswert, weil sie zum einen naturgetreue, musizierende mädchen darstellen, ohne absicht süß doch nicht unerreichbar glamourös, immer noch tanzend aber nicht hüfte schwingend, keine gestylt genug um den look der fans zu diktieren. zum anderen servieren sie neben ‚hitten’, die schwedische vokabel für hit, ein komplettes album voller kompositionen, die als kommerzielle popsongs wirkung entfalten könnten doch die eigenwilligkeit aufweisen, die vielen chartsongs fehlt. trotz dieser leistung vermisst man ein wenig variation in melodie, tempo und arrangements. goldmedaillenkandidat des albums ist sicherlich ‚i know where you live’, dessen wunderschönen metaphern ebenso zu herzen gehen wie die sehnsüchtig bekommene stimme von frontfrau linnea. in ‚space hero suits’ brauchen those dancing days sich schon bei ihrem debutalbum nicht zu verstecken um sich gehörigen respekt zu verschaffen.

those dancing days – i know where you live (dl) (ysi)

die rezension zum ersten album der schwedischen band those dancing days ist im ersten missy-magazin erschienen. als goodie für euch gibt es meinen lieblingstrack ‘i know where you live’ in einer low quality version. das debut der fünf schwedinnen ‘in our space hero suits’ ist im oktober bei wichita recordings veröffentlicht worden.

shen wei – almost naked






shen wei wuchs in shanghai auf und hat an der new york school of visual arts seinen master in ‘photography, video and related media’ erworben. das american photo magazine fasst ihn unter die 15 fotografen, die sie die “new generation of photo pioneers” nennt. ebenso ist er für das renommierte foto-magazin pdn einer der new and emerging photogrphers to watch in 2008. die auswahl der bei uns gezeigten bilder stammen aus weis serie ‘almost naked’. seine inspiration und die zielsetzung seiner arbeiten beschreibt er wie folgt:

“growing up in mainland china, i was brought up strictly and conservatively, any untraditional and unconventional ideas of life-style can sometimes lead to misconceptions. i was numbed about the ideas of intimacy, sexuality, and love. since I moved to the united states, my needs for self-expression has grown. however, my curiosity about how others deal with their identity in what is a fairly open society like america has increased. as a result i started to photograph people and life in america.

th goal of my projects are to raise the question about human nature, about emotions, feelings, desire, instinct and identity, to reveal things that you can feel it, that are unexplainable but yet still solid. i am fascinated with exploring the complexity of emotional nakedness and psychological connection/disconnection, as it is often expressed not specifically but explicitly. certainly my photography is my perspectives and how i look at people and life in america. but most importantly, i want viewers of my work to make their own discoveries and judgments of my photographs.”

i’m just a mirage

sicherlich ist die clubkritik auf diesen seiten in den letzten tagen zu kurz gekommen, doch ob sich das ändert, bleibt wohl der willkür und dem zufall unterworfen. wer weiß schon, was die nächsten nächte bringen, und ob ihre bedeutung die fingerspitzen bis an die tastatur kitzeln wird. letztlich geht es bei den worten, die man zu einem club verliert doch auch immer nur in nuancen um den club an sich – und was umfasst er: den ort, die betreiber, das line-up? – sondern stets um die personen, die man mit ihm verbindet. die einzige ausnahme von dieser regel auf meiner liste bildet das berghain, aber ansonsten fällt mir zu jeder berliner tanzstätte, in die ich meinen fuß gesetzt habe, unvermittelt ein name ein. wer den text zum badlands gelesen hatte ohne bereits im vorhinein betrübt und beleidigt gewesen zu sein, weil irgendein ereignis an diesem wochenende nicht die erwartungen erfüllt, oder pläne durcheinandergewirbelt hatte, hat wohl spätestens bei erwähnung der fototapete verstanden, dass hier der club lediglich schauplatz war, keinesfalls aber protagonist.

clubrezensionen schreiben stadtmagazine auf dem mageren raum von fünf zeilen. der rest – und da liegen sie richtig – liegt immer im auge des betrachters. zu wünschen sei es jedem in anbetracht des hereinbrechenden berliner winters, dass er oder sie an den letzten wochenende im badlands das passende gegenstück zum kuscheln und plätzchen backen gefunden hat. das nachtleben der hauptstadt hat schon für viele den weg zum kauf des kinderwagens und solider lebensgestaltung geebnet. dass lange nächte mitsamt all ihrer laster sich getrost mit promotion und frischgebügeltem hemd um 9 im fahrstuhl vertragen, zeichnet doch hier eher den schnitt, und nicht die exoten aus.

man darf sich wieder gut fühlen, nicht plump hedonistisch.

daniel vujanic, panoramakonzentrate

für die nachtschwärmerei von heute bis zum sonnabend empfehle ich für eine der kommenden drei nächte das picknick, in dessen vier wänden herr schmitz seit wochen für mich mittrinken muss – aus ermangelung an durst auf discoschorle, das versiegen meines jagdtriebes und meiner wiederentdeckung des bewusst erlebten sonntags und ein wenig zu viel arbeit. aber vielleicht schaff ich es die tage doch einmal wieder auf den vierten floor oder zumindest vor björns linse. nicht, weil die mirage-crew heute zu ihrem einjährigen bestehen ein killer-line-up bietet oder ich die neue de:bug morgen in den händen halten will, sondern weil ich im innenhof der dorotheenstraße 90 stets gelassene partylöwen treffe, die ihre umarmung herzlich meinen und selbst nach zuviel vodka aus platikbechern immer noch kluge einwürfe in die nacht streuen können und auch die mädchen schön finden, deren schrank nur ein mottenzerfressenes holzfällerhemd als sonntagskleid bereithielt.

ein jahr mirage
donnerstag, 30.10.2008
ab 22h

de:bug abend
freitag, 31.10.2008
ab 22h

alles wie gehabt
samstag, 01.11.008

alle flyer findet ihr in der rechten spalte.

erde an sender

ich bin noch verzückt von der fünften folge der zweiten staffel von californication, pushing daisies zirpt mein schlaflied, ich habe lange nicht so gelacht wie bei arrested development, dass ich seit ein paar tagen gucke und larry david ist mein held – folgerichtig brauche ich keinen fernseher sondern nur dsl und ein gemütliches bett. die debatte zur qualität im deutschen fernsehen soll bei uns daher auch nicht weitergesponnen werden, die rettung kommt nicht mehr – dies tut sie lediglich in der röhre selbst für schuldner, restaurants, dysfuktionale ehen und als abm- und recyclingmaßnahme für die stilbildenden gesichter des deutschen tvs. die schönste schrift zur thematik hat die fas in form von 50 fragen verfasst und dabei vor allem bewerkstelligt, eine geniale frage als abschließendes rätsel zu formulieren. aber lest die kleine auswahl und frage 50 selbst:

18. was würde passieren, wenn man marco schreyl seine moderationskarten wegnimmt?

23. das zdf hat johannes b. kerner wirklich aus china einfliegen lassen, um ein fußball-testspiel anzusagen? nicht zu kommentieren: anzusagen?

33. wenn es schon keine nachrichtensender in deutschland gibt, die diesen namen verdienen, könnte es nicht wenigstens musiksender geben?

46. wie sehr schämt sich günther jauch heimlich für „stern-tv”?

48. warum dürfen nur fiktionale figuren im fernsehen richtig böse sein?

50. veronica ferres?

these girls are dressed to kill


es ist eine weile her, dass wir die outrunners, beherbergt auf valerie, interviewt haben. seitdem ist eine menge passiert, neue bünde, kollaborationen geschlossen, andere wege beschritten worden. jetzt veröffentlichen die 2 französischen westküstler ihre neue ep namens “these girls are dressed to kill”. im übrigen thematisch nicht meinem wg-leben entlehnt, auch wenn man dies auf die eine oder andere art und weise durchaus in betracht ziehen könnte.

unter fleissiger mithilfe von russ chimes, einem blogphenomena, das schon beinahe in vergessenheit gerieht, und livyo pluckern die 3 auf der ep enthaltenen diskomusiken so vor sich hin, wobei das original mit seiner minimaleren, dumpfen ästhetik wohl eher dem entspricht, was man von valerie (cherie!) gewöhnt ist. laser. vorab hier 2 der 3 tracks, die es ab november 2008 im handel geben wird. 120 bpm jumpstyle.

the otrunners – these girls are dressed to kill (dl) (ysi)

the outrunners – these girls are dressed to kill (russ chimes remix) (dl) (ysi)

mehr informationen findet ihr auf den seiten von valerie, den outrunners, russ chimes und den generösen spendern von us two music.